Steuerabzüge Schweiz: Alle Abzüge die du nutzen kannst
Jedes Jahr lassen Schweizer Steuerzahler Tausende Franken liegen, weil sie Abzüge vergessen. Der Arztbesuch im Januar, der Kurs im Juni, das Bahnbillett im September, die Brillenrechnung vom Optiker. Alles abzugsfähig, alles in einer Schublade vergessen.
Hier ist die komplette Liste aller Schweizer Steuerabzüge, mit konkreten Beträgen und Beispielen.
Berufsauslagen — die einfachsten Abzüge
Die meisten nutzen den Pauschalabzug für Berufsauslagen. In Zürich sind das 3% des Einkommens, minimum CHF 2'000, maximum CHF 4'000. Einfach, sauber, erledigt.
Aber wenn deine effektiven Kosten höher sind, kannst du diese stattdessen geltend machen:
- Fahrkosten: Bahnbillett (GA/Halbtax), Bus-Abo, Autokosten pro Kilometer, sogar Fahrrad (CHF 700 Pauschale in einigen Kantonen). Maximum für Haupteinkommen: CHF 3'200 in den meisten Kantonen.
- Weiterbildung: Kurse, Seminare, Konferenzen, Zertifikate, Bücher und Material. Muss zum aktuellen Beruf passen.
- Arbeitsgerät: Laptop, Software-Abos, Werkzeug, Schutzkleidung. Wenn vom Arbeitgeber nicht erstattet.
- Mahlzeiten weg von Hause: Pauschale pro Tag, wenn du nicht zu Hause essen kannst.
- Nebenerwerb: 20% Pauschalabzug, minimum CHF 800, maximum CHF 2'400 (Aargau). Unterschiedlich pro Kanton.
Krankheitskosten — die vergessenen Abzüge
Krankheitskosten sind abzugsfähig, aber nur der Teil, der einen Schwellenwert übersteigt. In den meisten Kantonen sind das 5% des Nettoeinkommens für Kantonssteuern und 3% für Bundessteuern.
Was viele vergessen: Man muss die Schwelle nicht mit einer einzigen Rechnung erreichen. Man addiert alles zusammen:
- Arztbesuche und Spitalrechnungen
- Zahnbehandlung inklusive Implantate, Kronen, Zahnspange
- Psychotherapie und psychologische Beratung
- Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie
- Medikamente nicht von Kasse gedeckt
- Brillen, Kontaktlinsen, Hörgeräte
- Medizinische Hilfsmittel und Geräte
- Franchise und Selbstbehalt der Krankenkasse
- Schwangerschafts- und Geburtskosten nicht von Kasse gedeckt
Säule 3a — der grösste Hebel
Du kannst bis zu CHF 7'056 pro Jahr (Limit 2026) in die Säule 3a einzahlen. Jeder Franken reduziert dein steuerbares Einkommen. In Zürich sparst du bei mittlerem Steuersatz ca. CHF 800 bis 1'200 an Steuern.
Was viele nicht wissen: Du kannst mehrere 3a-Konten eröffnen. Nicht aus Spass, sondern für die Auszahlung. Bei der Auszahlung wird jedes 3a-Konto separat besteuert. Fünf Konten, über fünf Jahre ausgezahlt, bedeutet fünf tiefere Steuerstufen statt einer grossen.
Versicherungsprämien und Sparzinsen — Pauschalabzug
Jeder Kanton gibt einen Pauschalabzug für Versicherungsprämien und Sparzinsen. Die Beträge variieren nach Kanton, Zivilstand und ob du in die Säule 2 oder 3a einzahlst.
| Kanton | Alleinstehend mit 2/3a | Verheiratet mit 2/3a |
|---|---|---|
| Aargau | CHF 1'800 | CHF 3'600 |
| Zürich | CHF 2'600 | CHF 5'200 |
| Bern | CHF 2'000 | CHF 4'000 |
| Schwyz | CHF 2'000 | CHF 4'000 |
Das sind Pauschalbeträge. Du brauchst keine Belege, musst nichts beweisen. Der Kanton gibt dir den Abzug automatisch.
Spenden — Geben kostet dich weniger
Spenden an anerkannte gemeinnützige Organisationen sind abzugsfähig. Das Minimum liegt meist bei CHF 100 pro Jahr (variiert pro Kanton). Darüber kannst du bis zu 20% des Einkommens abziehen.
Anerkannt bedeutet: Die Organisation hat Steuerbefreiung. Die grossen Schweizer Hilfswerke zählen alle: SRK, Caritas, Glückskette, UNICEF Schweiz, WWF und hunderte kleinere Stiftungen. Auch Spenden an politische Parteien sind in den meisten Kantonen abzugsfähig.
Du brauchst eine Spendenquittung, keinen Bankauszug. CasaFin erkennt Spendenquittungen automatisch beim Scannen.
Kinderbetreuung — wenn beide Eltern arbeiten
Kinderbetreuungskosten sind abzugsfähig bis CHF 10'100 pro Kind und Jahr (Bundeslimit). Das umfasst:
- Krippe, Hort, Mittagstisch
- Tagesfamilie
- Privatbetreuung (falls angemeldet und AHV-pflichtig)
Bedingung: Beide Eltern müssen erwerbstätig sein. Wenn ein Elternteil weniger als 50% arbeitet, wird der Abzug anteilig reduziert. Alleinerziehende, die arbeiten, können den vollen Abzug geltend machen.
Die Bundeslimite ist CHF 10'100, aber einige Kantone erlauben mehr. Zug zum Beispiel bis CHF 12'000.
Liegenschaft — wenn du Eigentum hast
Wer eine Liegenschaft besitzt, hat die meisten Abzüge und die grösste Verwirrung. Was du abziehen kannst:
- Unterhaltskosten: Pauschalabzug 10% des Eigenmietwerts (Liegenschaft < 10 Jahre) oder 20% (> 10 Jahre). Ohne Belege.
- Effektive Kosten: Neues Dach, Heizung, Fenster, Badezimmer. Oft höher als die Pauschale. Jede Rechnung aufbewahren.
- Energetische Sanierungen: Solar, Wärmepumpe, Isolation. Zusätzliche Abzüge in einigen Kantonen.
- Schuldzinsen: Hypothekarzinsen voll abzugsfähig. Darum zahlen viele Schweizer ihre Hypothek nicht ab.
Krypto — ja, du musst deklarieren
Die Schweiz besteuert Krypto als Vermögen, nicht als Glücksspiel.
- Halten: Du deklarierst den Marktwert per 31.12. als Vermögen. Vermögenssteuer fällig, aber Sätze sind tief (0,1 bis 1% je nach Kanton).
- Verkaufen: Private Kapitalgewinne aus Krypto sind in der Schweiz steuerfrei. Du verkaufst Bitcoin mit Gewinn? Keine Einkommenssteuer auf den Gewinn. Aber du deklarierst die Restbestände als Vermögen.
- Staking und Lending: Erträge aus Staking, Lending oder Yield Farming sind als Einkommen steuerbar.
- Mining: Gilt als selbstständige Erwerbstätigkeit. Voll steuerbar.
Ausländische Einkünfte
Wenn du im Ausland verdienst — Remote-Arbeit für eine ausländische Firma, Mieteinnahmen aus einer Wohnung in Spanien, Dividenden aus US-Aktien — musst du es in der Schweiz deklarieren. Doppelbesteuerungsabkommen verhindern in der Regel, dass du doppelt steuerst, aber melden musst du es trotzdem.
Das ausländische Einkommen wird in der Schweiz für die Steuerbestimmung herangezogen (das "Progressionsvorbehalt"-Verfahren), auch wenn es nicht direkt besteuert wird. Das heisst, ausländisches Einkommen kann dich in eine höhere Steuerstufe pushen.
Die Checkliste — 14 Belege die du brauchst
- Lohnausweis — vom Arbeitgeber
- 3a-Bescheinigung — von deiner Säule 3a
- Pensionskassenausweis — von der Pensionskasse
- Zinsausweise — von jeder Bank
- Wertschriftenverzeichnis — von deinem Broker
- Krankheitskosten — jede Rechnung über der Franchise
- Weiterbildung — Kurse, Seminare, Konferenzen
- Spendenquittungen — jede Spendenbestätigung
- Kinderbetreuung — jede Betreuungsrechnung
- Versicherungspolicen — Prämienbestätigungen
- Nebenkostenabrechnung — vom Vermieter
- Schuldzinsen — Hypothekarzins-Bestätigung
- Krypto-Depot — Bewertung per 31.12.
- Ausländische Einkünfte — falls vorhanden
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